Kaufleitfaden

Werkstückspannung: Schraubstock, Drehfutter, Zentrierspitze

Werkstückspannung für CNC und manuelle Maschinen auswählen: Schraubstock, Drehfutter und mitlaufende Zentrierspitze nach Genauigkeit, Spannkraft und Einsatz.

MT
MACHALLY Technisches Team
9. Apr. 202614 Min. Lesezeit

Modularschraubstöcke erzeugen typischerweise 16-40 kN Spannkraft bei einer Parallelität von 0.005 mm und eignen sich damit für das CNC-Fräsen. Dreibackenfutter (selbstzentrierend) spannen Rundmaterial beim Drehen mit bis zu 3.000 RPM. Schwerlast-Ausführungen mitlaufender Zentrierspitzen stützen Lasten bis 4.500 kg mit einer Rundlaufgenauigkeit von 0.003 mm und nutzen dafür 5-Lager-NSK-Sätze für das Drehen zwischen Spitzen. Dieser Leitfaden behandelt Schraubstöcke, Drehfutter und mitlaufende Zentrierspitzen mit Spezifikationen aus realen Produktlinien, damit die Werkstückspannung zur jeweiligen Bearbeitungsaufgabe passt.

Einen vollständigen Überblick über Werkzeugaufnahme- und Werkstückspannsysteme einschließlich Kegeln, Spannzangen und Futtern bietet der vollständige Leitfaden zur Werkzeugaufnahme.

Die drei Kategorien der Werkstückspannung

Werkstückspannmittel lassen sich anhand der unterstützten Bearbeitungsart in drei Hauptkategorien einteilen. Schraubstöcke spannen stationäre Werkstücke auf Fräsmaschinen, Flachschleifmaschinen und EDM-Anlagen. Drehfutter greifen rotierende Werkstücke auf Drehmaschinen und Drehzentren. Mitlaufende Zentrierspitzen stützen das freie Ende langer Werkstücke beim Drehen, wobei sie mit dem Werkstück mitrotieren und so Reibung sowie Wärmeeintrag vermeiden.

Die Kategorieneinteilung ergibt sich zwingend aus dem Bearbeitungsfall: stationäres Werkstück → Schraubstock; rotierendes Werkstück in der Spindel → Futter; reitstockseitiger Stützpunkt beim Drehen zwischen Spitzen → mitlaufende Zentrierspitze. Ein Austausch zwischen den Kategorien ist kaum möglich.

Jede Kategorie gliedert sich weiter auf: Modularschraubstöcke liefern typischerweise hohe Spannkräfte für Bearbeitungszentren (16-40 kN), während Werkzeugmacher- und Sinus-Schraubstöcke auf Präzision für Schleif- und Messaufgaben ausgelegt sind. Dreibackenfutter ermöglichen eine schnelle Selbstzentrierung für Rundmaterial, Vierbackenfutter bieten darüber hinaus zusätzliche Spannstabilität für schwere oder unregelmäßige Werkstücke. Mitlaufende Zentrierspitzen reichen von Hochgeschwindigkeitsmodellen mit bis zu 6.000 RPM bis zu Schwerlast-Ausführungen, die Radiallasten von bis zu 4.500 kg aufnehmen.

Übersicht der Werkstückspann-Kategorien
Spannkraft Modularschraubstock 16-40 kN (GT-Serie, Backenbreiten 100-300 mm)
Parallelität Werkzeugmacher-/Sinus-Schraubstock 0.005 mm pro 100 mm
Größenbereich Dreibackenfutter 80-630 mm Durchmesser
Größenbereich Vierbackenfutter 80-630 mm Durchmesser
Genauigkeit mitlaufende Zentrierspitze 0.003 mm Rundlauf (Modelle mit NSK-Lagern)
Maximaldrehzahl mitlaufende Zentrierspitze 1.000-6.000 RPM je nach Kegelgröße

Schraubstock-Auswahl: Modular, Werkzeugmacher oder Sinus

Präzisionsschraubstöcke erfüllen je nach Einsatz unterschiedliche Aufgaben. Wer die Unterschiede kennt, vermeidet sowohl unnötige Zusatzfunktionen als auch eine zu geringe Genauigkeit für die jeweilige Bearbeitung.

Modularschraubstöcke liefern 16–40 kN Spannkraft bei Backenbreiten von 100–300 mm, während Werkzeugmacher- und Sinus-Schraubstöcke 0.005 mm/100 mm Parallelität halten — die zwei Kenngrößen, die Schruppfähigkeit bzw. Schleif-/Fräsgenauigkeit bestimmen.

Modularschraubstöcke (Typ GT) besitzen einen Grundkörper aus 20CrMnTi-Vergütungsstahl, der durch Einsatzhärtung eine Oberfläche von HRC 58-62 erhält — 20CrMnTi wird für Schraubstockkörper bevorzugt, weil die einsatzgehärtete Oberfläche Backenver­schleiß widersteht, während der zähe Kern den Spannschlag absorbiert. Der modulare Aufbau erlaubt es, Grundkörper, feste Backe und bewegliche Backe zu trennen und neu zu konfigurieren. Die Backenbreiten reichen von 100-300 mm, die Spannöffnungen von 100-800 mm, und die Spannkraft liegt zwischen 16-40 kN. Für Bearbeitungszentren und CNC-Fräsmaschinen sind sie die primäre Wahl der Werkstückspannung.

Werkzeugmacher-Schraubstöcke (Typ QGG) verfügen über einen einteiligen Grundkörper mit V-genuteten Backen zum Spannen von Rundmaterial. Alle Flächen sind präzisionsgeschliffen und erreichen 0.005 mm/100 mm Parallelität sowie 0.005 mm Rechtwinkligkeit. Die Backenbreiten liegen zwischen 50-150 mm. Der monolithische Aufbau sichert maximale Steifigkeit beim Schleifen und Fräsen kleiner Werkstücke.

Sinus-Schraubstöcke (Typ QKG) teilen die Präzisionsspezifikationen der Werkzeugmacher-Schraubstöcke, sind jedoch für winklige Aufspannungen auf Flachschleifmaschinen und EDM-Anlagen optimiert. Die Backenbreiten umfassen typischerweise 25-150 mm und decken feine Detailarbeit bis hin zu mittelgroßen Bauteilen ab.

KriteriumModularschraubstock (GT)Werkzeugmacher-Schraubstock (QGG)Sinus-Schraubstock (QKG)
Backenbreiten-Bereich100-300 mm50-150 mm25-150 mm
Maximale Spannöffnung100-800 mm65-210 mm22-300 mm
Spannkraft16-40 kNentfällt (Spindelausführung)entfällt (Spindelausführung)
OberflächenhärteHRC 58-62HRC 58-62HRC 58-62
Parallelität0.005 mm/100 mm0.005 mm/100 mm0.005 mm/100 mm
HauptanwendungCNC-FräsenSchleifen, FräsenSchleifen, EDM
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Regel zur Schraubstock-Auswahl

Stehen Spannkraft und Backenöffnung im Vordergrund, ist der Modularschraubstock die richtige Wahl. Kommt es dagegen auf Positioniergenauigkeit in mehreren Aufspannlagen an, sind Werkzeugmacher- oder Sinus-Schraubstöcke vorzuziehen — beide Bauarten lassen sich horizontal, vertikal und liegend mit gleicher Präzision aufspannen.

Werkstätten, die in Richtung 5-Achs-Bearbeitung gehen, stehen vor einer eigenständigen Spannproblematik — Standardschraubstöcke kollidieren mit den Drehachsen — sodass die Schraubstockauswahl dort üblicherweise zu kompakten 5-Achs-Schraubstöcken, Schwalbenschwanz-Spannvorrichtungen und Nullpunktspannsystemen wechselt; für die Kosten- und ROI-Implikationen siehe den Leitfaden zur Einführung der 5-Achs-Bearbeitung.

Drehfutter-Auswahl: Dreibacken oder Vierbacken

Drehfutter werden nach Backenzahl und Backenbauart unterschieden. Die Wahl zwischen Dreibacken- und Vierbackenfutter (beide selbstzentrierend) beeinflusst Zentriergenauigkeit, Spannbereich und maximale Drehzahl.

Selbstzentrierende Dreibackenfutter (nach ISO 3089 für einteilige Backen oder JIS B 6151 für Futteranforderungen) zentrieren Rund- und Sechskantmaterial am schnellsten; Vierbackenfutter gleicher Größe laufen typischerweise 33 % langsamer (z. B. 2.000 vs. 3.000 RPM bei 200 mm), verteilen die Spannkraft jedoch auf vier Kontaktpunkte für bessere Stabilität bei asymmetrischen Lasten.

Dreibackenfutter (selbstzentrierend) der Serie K11 (einteilige Backen nach ISO 3089) nutzen einen Planspiralmechanismus, der alle drei Backen gleichzeitig bewegt und Rund- oder Sechskantmaterial automatisch zentriert. Sie sind in Durchmessern von 80-630 mm verfügbar und übertragen Drehmomente von 40 Nm (80 mm) bis 800 Nm (630 mm) bei Drehzahlen zwischen 600-4.800 RPM. Standardmodelle umfassen zwei Sätze einteiliger Backen — Innen- und Außenbacken —, während ISO-3442-konforme Modelle (Serie K11A) zweiteilige Umkehrbacken einsetzen, die sich für beide Spannrichtungen anpassen lassen. Die Futteraufnahme folgt DIN 55029, der die Kurzkegel-Schnittstelle definiert, die das Futter ohne Rundlaufverlust durch ein Gewindeflansch an der Drehmaschinenspindelnase registriert.

Vierbackenfutter (selbstzentrierend) der Serien K12/K12A verteilen die Spannkraft auf vier statt auf drei Kontaktpunkte. Daraus ergibt sich eine gleichmäßigere radiale Spannungsverteilung, die einer Werkstückverlagerung unter asymmetrischen Schnittlasten entgegenwirkt. Die K12-Reihe deckt Durchmesser von 80-630 mm bei Drehmomenten von 40-800 Nm ab. Die Maximaldrehzahlen liegen aufgrund der zusätzlichen Masse geringfügig unter denen gleich großer Dreibackenfutter — so läuft ein 200-mm-Vierbackenfutter beispielsweise mit 2.000 RPM gegenüber 3.000 RPM beim gleichgroßen Dreibackenfutter.

Kriterium3-Backen-Futter (K11)3-Backen ISO 3442 (K11A)4-Backen-Futter (K12)4-Backen ISO 3442 (K12A)
Größenbereich80-500 mm160-630 mm80-630 mm160-630 mm
Max. Drehzahl (200 mm)3.000 RPM3.000 RPM2.000 RPM2.000 RPM
Max. Drehmoment (200 mm)250 Nm320 Nm250 Nm250 Nm
Backenbauarteinteilig (2 Sätze)zweiteilig (Grund- + Aufsatzbacke)einteilig (2 Sätze)zweiteilig (Grund- + Aufsatzbacke)
Weichbacken verfügbarjajajaja
Durchgangsbolzen-Montageneinneinauf Anfrageauf Anfrage
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Häufiger Fehler bei der Futter-Auswahl

Die Annahme, ein Vierbackenfutter biete stets höhere Genauigkeit als ein Dreibackenfutter, ist nicht zutreffend. Die Selbstzentriergenauigkeit hängt von der Qualität des Planspiralmechanismus ab, nicht von der Backenzahl. Für maximale Zentriergenauigkeit sind Weichbacken anzufordern, die direkt auf der Drehmaschine ausgedreht werden — auf diese Weise wird eine engere Konzentrizität erreicht als mit jeder vorgeschliffenen Backenausführung, unabhängig von der Drei- oder Vierbackenkonfiguration.

Auswahl der mitlaufenden Zentrierspitze: Drehzahl gegen Tragfähigkeit

Mitlaufende Zentrierspitzen stützen das reitstockseitige Ende des Werkstücks beim Drehen. Die zentrale Abwägung besteht zwischen maximaler Drehzahl und radialer Tragfähigkeit — Hochgeschwindigkeitslager erlauben schnelleres Drehen, tragen jedoch weniger Gewicht, während Schwerlastlager massive Werkstücke bei niedrigeren Drehzahlen aufnehmen.

Hochgeschwindigkeits-Zentrierspitzen mit drei NSK-Lagersätzen erreichen 0.003 mm Rundlauf bis 6.000 RPM (MT2) bei einer Tragfähigkeit von ~150–2.800 kg, während 5-Lager-Schwerlastmodelle auf MT6 bis 4.500 kg bei 1.000–3.500 RPM tragen.

Hochgeschwindigkeits-Ausführungen arbeiten mit drei Sätzen NSK-Lagern (zweireihig, Axiallager und IKO-Nadellager) sowie einer Cr12MoV-Spindel, die auf HRC 60 plus/minus 2 Grad wärmebehandelt ist. Sie erreichen eine Genauigkeit von 0.003 mm bei Drehzahlen bis 6.000 RPM (MT2) und Tragfähigkeiten von 150-2.800 kg je nach Morsekegelgröße. Das doppelte Dichtungssystem mit deutschen Wellendichtringen schützt die Lager zuverlässig vor Kühlmitteleintritt.

Schwerlast-Ausführungen setzen fünf Sätze NSK-Lager für maximale radiale Tragfähigkeit ein — bis 4.500 kg auf einem MT6-Kegel. Ihre vibrationsarme Bauweise mit einstellbarem Lagerspiel macht sie zur ersten Wahl beim Schruppen schwerer Werkstücke. Aufgrund der größeren Lageranordnungen sind die Maximaldrehzahlen typischerweise geringer (1.000-3.500 RPM).

Versa-Turn-Ausführungen verfügen über eine außenliegende Drehkonstruktion mit kleinerem Kopfdurchmesser, die Werkzeugkollisionen in beengten Drehaufbauten vermeidet. Sie tragen typischerweise Lasten von 100-1.300 kg bei Drehzahlen bis 4.000 RPM mit einer Genauigkeit von 0.003 mm.

Mitlaufende Zentrierspitzen mit Wechselspitzen erlauben einen schnellen Spitzenwechsel, ohne die Spitze aus dem Reitstock zu entnehmen. Sie erreichen eine Genauigkeit von 0.005 mm bei Drehzahlen bis 5.000 RPM. Die Hartmetall-Option mit YG8-Wolframcarbidspitzen (HRC ~90) ist für die karbidbestückte Ausführung vorgesehen, weil die Kontaktfläche unter hoher Temperatur am Zentrierbohrungskonus des Werkstücks verschleißt — YG8-Härte und Temperaturbeständigkeit verlängern die Spitzenstandzeit gegenüber gehärteten Werkzeugstahlspitzen bei abrasiven oder hochdrehenden Anwendungen.

Vergleich mitlaufender Zentrierspitzen (MT4-Kegel)
Hochgeschwindigkeit 5.000 RPM / 800 kg max. Tragfähigkeit / 0.003 mm Genauigkeit
Schwerlast 2.600 RPM / 650 kg max. Tragfähigkeit / 0.003 mm Genauigkeit
Versa-Turn 3.000 RPM / 700 kg max. Tragfähigkeit / 0.003 mm Genauigkeit
Wechselspitze 3.800 RPM / 250 kg max. Tragfähigkeit / 0.005 mm Genauigkeit
Alle Modelle NSK-Lager, Cr12MoV-Spindel, Wärmebehandlung auf HRC 60 plus/minus 2 Grad
Hinweis Die Genauigkeit der MT6-Hochgeschwindigkeitsausführung liegt bei 0.005 mm (nicht bei 0.003 mm wie bei kleineren Größen)
Hartmetall-Option YG8-Wolframcarbidspitzen mit HRC 90 plus/minus 5 Grad

Wann welche Werkstückspannung gewählt wird

Die Maschinenart trifft die erste Entscheidung: Fräsmaschine/Schleifmaschine → Schraubstock; Drehmaschine → Futter + optionale mitlaufende Zentrierspitze — erst danach werden Backenanzahl, Spannkraft und Lagerkonfiguration zum entscheidenden Kriterium.

✦ Schraubstöcke eignen sich am besten für

  • CNC-Fräsen und Bearbeitungszentren (Modularschraubstöcke GT, 16-40 kN)
  • Flachschleifen und EDM (Sinus-Schraubstöcke QKG, 0.005 mm/100 mm)
  • Werkzeugmacher-Arbeiten an kleinen prismatischen Teilen (Werkzeugmacher-Schraubstöcke QGG)
  • Mehrachsige Aufspannungen mit Umorientierung (rundum präzisionsgeschliffene Schraubstöcke)

✦ Drehfutter eignen sich am besten für

  • Drehen von Rundmaterial mit schnellem Einrichten (Dreibackenfutter K11)
  • Schweres Schruppen großer Durchmesser (Vierbackenfutter K12, 80-630 mm)
  • Produktionsläufe mit flexibler ISO-3442-Backenumstellung (Serien K11A/K12A)
  • Werkstücke, bei denen Weichbacken auf den exakten Durchmesser ausgedreht werden müssen

✦ Hochgeschwindigkeits-Ausführungen mitlaufender Zentrierspitzen eignen sich am besten für

  • CNC-Drehmaschinen-Schlichten bei hoher RPM (bis 6.000 RPM)
  • Leichte bis mittlere Werkstücke mit 0.003 mm Genauigkeit
  • Stark kühlmittelbelastete Umgebungen (doppelte deutsche Wellendichtringe)

✦ Schwerlast-Ausführungen mitlaufender Zentrierspitzen eignen sich am besten für

  • Drehen großer Wellen unter hohen Radiallasten (bis 4.500 kg)
  • Schruppbearbeitungen, bei denen Vibrationsarmut entscheidend ist
  • MT5- und MT6-Reitstockanwendungen auf großen Drehmaschinen

Praktischer Entscheidungsrahmen

Den Ausgangspunkt bildet die Maschinenart: Fräsmaschinen und Schleifmaschinen benötigen Schraubstöcke, Drehmaschinen und Drehzentren benötigen am Spindelstock Drehfutter und am Reitstock mitlaufende Zentrierspitzen.

Bei Drehfuttern sind Weichbacken, die direkt auf der Drehmaschine ausgebohrt werden, anzufordern, wenn die Konzentrizität über die publizierte Selbstzentriergenauigkeit des Futters hinaus gefordert wird — eingebohrt angepasste Weichbacken nehmen den Schneckengetriebefehler aus der Zentrierkette heraus.

Bei Schraubstöcken richtet sich die Backenbreite nach der typischen Werkstückgröße. Liegen die Teile über 150 mm, ist ein Modularschraubstock GT mit 16-40 kN Spannkraft die richtige Wahl. Für Präzisionsschleif- oder EDM-Teile unter 100 mm liefert ein Werkzeugmacher- oder Sinus-Schraubstock die erforderliche Positioniergenauigkeit, ohne unnötige Mehrkosten zu verursachen.

Bei Drehfuttern ist das Dreibackenfutter die Wahl für Rundmaterial und schnelles Einrichten in der Serienfertigung. Vierbackenfutter kommen dann infrage, wenn Werkstückgewicht, Auskragung oder asymmetrische Geometrie zu unausgewogenen Lasten führen, oder wenn der zusätzliche Spannkontakt die Oberflächengüte beim schweren Schruppen verbessert. ISO-3442-konforme zweiteilige Backen (K11A oder K12A) sind angeraten, wenn auf demselben Futter häufig zwischen Innen- und Außenspannung gewechselt wird.

Bei mitlaufenden Zentrierspitzen ist zunächst der Morsekegel an den Reitstock anzupassen; erst danach fällt die Entscheidung zwischen Drehzahl und Tragfähigkeit. Schlichtbearbeitungen bei hoher RPM verlangen eine Hochgeschwindigkeits-Ausführung. Das Schruppen schwerer Wellen verlangt eine Schwerlast-Ausführung mit fünf Lagersätzen. Beengte Verhältnisse zwischen Werkzeug und Werkstück erfordern eine Versa-Turn-Ausführung mit ihrem kleineren Kopfdurchmesser.

Die Werkstückspannung ist nur die halbe Steifigkeitsgleichung — sobald das Teil eingespannt ist, entscheidet die Werkzeugaufnahme darüber, wie sauber der Schnitt übertragen wird — für den Vergleich von Rundlauf, Spannkraft und Dämpfung zwischen Spannzangen-, Schrumpf- und Hydrodehnspannfutter siehe den Leitfaden zu Werkzeugaufnahmelösungen.

Schnellauswahl Werkstückspannung nach Anwendung

AnwendungSpannmittelSpannkraftGenauigkeitBegründung
CNC-Fräsen, prismatisches Teil 100–300 mmModularschraubstock GT (20CrMnTi, HRC 58-62)16–40 kN0.005 mm/100 mm ParallelitätHohe Spannkraft widersteht Schnittkräften; modulare Backen passen sich unterschiedlichen Teileformen an
Flachschleifen, Teil <100 mm, Mehrlagen-AufspannungWerkzeugmacher-Schraubstock QGGschraubengetrieben0.005 mm/100 mm Parallelität + 0.005 mm RechtwinkligkeitMonolithkörper hält Geometrie in horizontaler/vertikaler/liegender Aufspannlage
Sinus-/EDM-WinkelbezugsaufspannungSinus-Schraubstock QKGschraubengetrieben0.005 mm/100 mmAlle Flächen geschliffen für wiederholbaren Winkelbezug auf der Sinusplatte
Drehmaschine, Rund-/Sechskantmaterial, schnelles Rüsten, ≤3.000 RPM bei 200 mmSelbstzentrierendes 3-Backenfutter (K11, ISO 3089)Planspiral, 250 Nm bei 200 mmAbhängig vom Schneckenmechanismus; eingebohrt angepasste Weichbacken verbessern KonzentrizitätDreibacken-Schnecke zentriert am schnellsten; Norm für die Produktionsdrehbearbeitung
Drehmaschine, schweres/asymmetrisches WerkstückSelbstzentrierendes 4-Backenfutter (K12)Planspiral, 250 Nm bei 200 mmVerbesserte Stabilität gegenüber 3-Backen unter ungleichmäßigen LastenVierbackenspannung verteilt die radiale Spannung; widersteht Werkstückverlagerung
Reitstock-Stützpunkt, Schlichten bei hoher DrehzahlHochgeschwindigkeits-Zentrierspitze (3 NSK-Lagersätze)reitstockseitig aufgebracht0.003 mm Rundlauf bis 6.000 RPM (MT2)Dreilagerpaket minimiert Massenträgheit; gegen Kühlmittel abgedichtet für Schlichtuverlässigkeit
Reitstock-Stützpunkt, schweres Wellen-SchruppenSchwerlast-Zentrierspitze (5 NSK-Lagersätze, MT5/MT6)reitstockseitig aufgebracht0.003 mm Rundlauf (MT4); 0.005 mm bei MT65-Lager-Baugruppe trägt bis 4.500 kg radiale Last; schwingungsarm für Schrupprattern
Beengte Durchmesserverhältnisse am ReitstockVersa-Turn-Zentrierspitzereitstockseitig aufgebracht0.003 mm Rundlauf bis 4.000 RPMKleinerer Außenkopfdurchmesser vermeidet Kollision mit Werkzeug-/Halter in engen Aufbauten
Summary

Die Werkstückspannung richtet sich nach der Bearbeitung, nicht nur nach der Maschine.

Typischerweise Modularschraubstöcke (16-40 kN) für das CNC-Fräsen wählen, Werkzeugmacher- oder Sinus-Schraubstöcke (0.005 mm/100 mm Genauigkeit) für Schleifen und EDM, Dreibackenfutter für die schnelle Zentrierung von Rundmaterial, Vierbackenfutter für hohe Spannstabilität und mitlaufende Zentrierspitzen nach der Abwägung Drehzahl gegen Last — Hochgeschwindigkeitsmodelle mit 6.000 RPM für das Schlichten oder 5-Lager-Schwerlastmodelle für bis zu 4.500 kg beim Schruppen. Die Kompatibilität des Morsekegels ist stets zu prüfen, und Weichbacken sind für maximale Zentriergenauigkeit zu bevorzugen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Dreibacken- und einem Vierbackenfutter (selbstzentrierend)?

Ein Dreibackenfutter bewegt drei Backen gleichzeitig über einen Planspiralmechanismus und zentriert Rund- oder Sechskantmaterial schnell. Ein Vierbackenfutter (selbstzentrierend) verteilt die Spannkraft auf vier Kontaktpunkte und sorgt so für eine gleichmäßigere radiale Spannungsverteilung, die einer Werkstückverlagerung unter asymmetrischen Schnittlasten entgegenwirkt. Dreibackenfutter erlauben höhere Drehzahlen (z. B. 3.000 RPM bei 200 mm gegenüber 2.000 RPM beim Vierbackenfutter), während Vierbackenfutter größere Drehmomentlasten gleichmäßiger aufnehmen.

Wie wird zwischen einer Hochgeschwindigkeits- und einer Schwerlast-Ausführung der mitlaufenden Zentrierspitze entschieden?

Für Schlichtbearbeitungen bei hohen Spindeldrehzahlen an leichten bis mittleren Werkstücken wird eine Hochgeschwindigkeits-Ausführung (bis 6.000 RPM, 3 NSK-Lagersätze) gewählt. Für das Schruppen schwerer Wellen, bei denen Vibrationsarmut und radiale Tragfähigkeit wichtiger sind als Drehzahl, ist eine Schwerlast-Ausführung (5 NSK-Lagersätze, bis 4.500 kg Tragfähigkeit) vorzuziehen.

Welche Genauigkeit ist von Präzisionsschraubstöcken zu erwarten?

Hochwertige Präzisionsschraubstöcke — sowohl Werkzeugmacher-Ausführungen (QGG) als auch Sinus-Ausführungen (QKG) — erreichen 0.005 mm pro 100 mm Parallelität und 0.005 mm Rechtwinkligkeit bei einer Oberflächenhärte von HRC 58-62. Alle Flächen sind präzisionsgeschliffen und ermöglichen den Einsatz in horizontaler, vertikaler und liegender Aufspannlage mit gleichbleibender Genauigkeit.

Wann sind Weichbacken auf einem Drehfutter einzusetzen?

Weichbacken kommen immer dann zum Einsatz, wenn die Konzentrizitätsanforderungen über die Standardgenauigkeit gehärteter Backen hinausgehen. Sie werden direkt auf der Drehmaschine auf den exakten Werkstückdurchmesser ausgedreht oder geschliffen und erreichen damit eine engere Zentrierung als jede vorgeschliffene Backenausführung. Besonders wertvoll sind sie bei Schlicht-Drehbearbeitungen, bei denen der Rundlauf die Oberflächengüte unmittelbar beeinflusst.

Was bedeutet ISO 3442 für Drehfutter-Backen?

ISO 3442 definiert den Standard für zweiteilige Futter-Backen, bestehend aus Grundbacke und Aufsatzbacke. Diese Bauart erlaubt es, die Aufsatzbacke auf der Grundbacke für Innen- oder Außenspannung umzusetzen, ohne den Backensatz zu wechseln. Futter mit ISO-3442-konformen Backen (Serien K11A, K12A) bieten mehr Flexibilität als einteilige Backenausführungen, die separate Sätze für Innen- und Außenspannung erfordern.

Quellen

WerkstückspannungCNC-BearbeitungMaschinenschraubstockDrehfutterMitlaufende Zentrierspitze
MT

MACHALLY Technisches Team

MACHALLY

Einblicke in CNC-Werkzeuge, Präzisionsbearbeitung und Fertigungstechnik.

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